17. Februar 2018

Eichtal: Itzehoer sollen abstimmen

Norddeutsche Rundschau, 17.02.2018

Bürgerinitiative sieht nach Abstimmung mit Innenministerium gute Chancen für Bürgerbegehren / Unterschriftensammlung startet in Kürze

ITZEHOE Knapp 2000 Unterschriften von wahlberechtigten Itzehoern – so viel trennt die Bürgerinitiative „Rettet das Eichtal!“ nach eigener Einschätzung noch von einem Bürgerentscheid über das geplante Baugebiet Eichtal/Kratt. Die Unterschriftensammlung soll in Kürze starten, kündigt die Initiative an.

Hintergrund für den Optimismus der Aktivisten ist der Abschluss der sogenannten Beratung durch die Kommunalaufsicht des Kieler Innenministeriums. Die hatte in den vergangenen Monaten geprüft, ob das Vorhaben der Initiative eine Aussicht auf Erfolg haben kann. Eine entsprechende Einschätzung liegt nun vor. „Wir haben den Initiatoren mitgeteilt, dass das Bürgerbegehren voraussichtlich zulässig sein dürfte“, sagt Ministeriumssprecher Tim Radtke. Abschließend entschieden wird über eine Zulassung aber erst nach Vorliegen der Unterschriften. Laut Radtke sind 1860 gültige Stimmen nötig, um dann alle Itzehoer an die Wahlurnen zu bitten.

„Uns wurde gesagt, dass wir sehr gute Aussicht auf Genehmigung haben, wenn wir die entsprechenden Unterschriften vorlegen“, sagt Christine Weber-Herfort, Sprecherin der Bürgerinitiative. „Wir haben im Zuge der Beratungen die von uns angestrebte Frage für die Abstimmung noch etwas angepasst und einige andere Änderungen vorgenommen.“ Kommt es zum Urnengang, werden die Itzehoer nun über folgende Frage entscheiden: „Sind Sie dafür, dass das Gelände Eichtal/Kratt als unbebauter, naturnaher Landschaftsraum – mit Streuobstwiese auf einer Teilfläche – für alle Bürgerinnen und Bürger erhalten bleibt?“

Beigefügt sein wird bereits den Unterschriftenlisten eine Schätzung der Stadtverwaltung über die finanziellen Auswirkungen des Vorhabens. Diese geht davon aus, dass für die Aufbereitung des heutigen Kleingartengeländes knapp 160 000 Euro aufgebracht werden müssen und in den kommenden 20 Jahren rund 200 000 Euro an Unterhaltungskosten anfallen. Diese Schätzung sei sehr hoch ausgefallen, kommentiert Weber-Herfort. Sie liege aber trotzdem deutlich unter dem, was die von der Politik beschlossene Erschließung des heutigen Kleingartengeländes als Baugebiet kosten würde.

Unterstützung bekommt die Initiative bei der Umsetzung der Unterschriftensammlung vom Naturschutzverband BUND. „Wir finden das Umweltengagement lobenswert“, sagt der Steinburger BUND-Vorsitzende Rainer Guschel. Er erhoffe sich allein durch die Debatte über das Vorhaben der Initiative ein größeres Umweltbewusstsein in der Bevölkerung. Das Eichtal sei insbesondere mit dem angrenzenden Feuchtgebiet Freudenthal und dem Waldgebiet Kratt ein „intakter, ökologisch-wertvoller Rückzugsraum“ für Tierarten, die es sonst in der modernen Kulturlandschaft sehr schwer hätten. Dieser Raum dürfe nicht durch Bebauung „zerstückelt“ werden. „Es gibt andere Möglichkeiten für Bauplätze“, sagt Guschel.

Die Planungen für die Erschließung laufen unter dessen vorerst „in angemessener Weise“ weiter, sagt Bürgermeister Andreas Koeppen. Aufschiebende Wirkung hat das Vorhaben der Initiative erst nach der abschließenden Genehmigung durch die Kommunalaufsicht.

Delf Gravert